Critical Mass … „Immer der Masse nach“

Critical Mass … „Immer der Masse nach“

Ein Beitrag von Johanna Willimsky, die zum ersten Mal bei der ersten critical mass im Jahr 2014 teilgenommen hat.

Es ist der letzte Freitag im Januar, halb sechs Uhr, langsam wird es schon dunkel: Ich stehe mit zehn anderen Leuten auf dem Rudolfplatz mitten in der Kölner Innenstadt. Was uns vereint: Alle haben ihr Fahrrad dabei. Eines ist ausgestattet mit Smartphone-Halterung am Lenker, ein anderes hat eine Vorrichtung, in die genau eine Bierkiste passen würde – und es werden immer mehr. Aus allen Richtungen kommen Menschen auf ihren Rädern angefahren – manche tragen neongelbe Sicherheitswesten oder haben sich Lichterketten umgebunden, andere tragen einen Helm, die Mehrheit nicht. Als ein Mann mit einer Anlage im Fahrradgepäckträger ankommt, aus der Queens „I want to ride my bicycle“ dröhnt, setzt sich die Fahrrad-Menschen-Masse in Bewegung.

Ein langer Zug aus etwa 180 Fahrern radelt in Richtung Dom los. Was hier soeben gestartet ist, nennt sich critical mass und ist eine Art „organisierter Zufall“: Eine Masse von Radler_innen, die für eine Weile gemeinsam durch die Stadt fahren und damit die „urbanen Verkehrswege von den Autofahrern zurückerobern wollen“, wie es ein Teilnehmer passend beschreibt. Als Organisator des Treffens sieht sich keiner und eine festgelegte Route scheint es auch nicht zu geben. Das Motto ist: „Immer der Masse nach“. Dennoch gibt es ein paar Fahrer_innen, die sich auf die Straße stellen, damit der Fahrradzug vorbeifahren kann und die immer mal wieder darauf achten, dass die Fahrräder nur eine Straßenspur in Anspruch nehmen. Einer, der schon seit 2006 dabei ist, heißt Leon. Irgendjemand habe die Facebook Page erstellt, auf der immer die aktuellen Termine bekanntgegeben werden und die zum „Selbstläufer“ geworden sei, berichtet Leon. Er selbst bezeichnet sich als Kampfradler und wird gern mal angerufen, wenn wieder eine critical mass ansteht.

Durch die Südstadt, zum Neumarkt und zurück

Mittlerweile sind wir am ersten Kreisverkehr angekommen, der zum Ärger der Autofahrer und zur Freude der umstehenden Passanten und der Radfahrer mehrmals umrundet wird, sodass der Verkehr für ein paar Minuten lahmliegt. Dieses Spiel wiederholt sich an dem Abend noch einige Male – vor allem in der Kölner Südstadt, wo es rund um den Chlodwigplatz noch viele Kreisel gibt. Hier tauchen zum ersten Mal Polizisten auf, die uns bis zum Ende der Tour weiter verfolgen sollten. Doch noch ist die Stimmung ausgelassen. Neben mir diskutieren ein paar über die Helmpflicht, aus den Musikboxen schallt jetzt „9 million bicycles“ von Katie Melua. So viele Fahrräder sind hier zwar nicht unterwegs, aber es schließen sich doch noch ein paar spontan während der Tour an, die sich von der bunten Masse begeistert mitnehmen lassen. „Letzten Sommer waren es mal etwa 800 Menschen, vielleicht schaffen wir es ja die 1000er Marke zu knacken“, meint Leon.

Nach kurzem Besprechen an der Spitze des Zugs, entscheiden wir uns für eine „Ehrenrunde“, vorbei am Neumarkt, bis die Tour am Rudolfplatz dann beendet werden soll. Doch diese Ehrenrunde zieht sich in die Länge. Grund dafür sind mittlerweile drei Polizeiwagen, die den Fahrradzug umgeben. Also wird in eine Seitenstraße abgebogen, doch auch hierhin folgen die Polizisten mit der Lautsprecher-Ansage, dass das doch jetzt „Quatsch ist was ihr da macht“. Schließlich erscheint auf einem Polizeiauto die Aufschrift „Bitte folgen“, was dazu führt, dass die Masse erst recht in eine andere Richtung fährt. Irgendwann geht es dann aber doch zurück zum Ausgangspunkt am Hahnentor auf dem Rudolfplatz, wo ein paar euphorisch ihr Fahrrad wie eine Trophäe hochhalten und jubeln. Die Freude darüber der Polizei ein Schnippchen geschlagen zu haben und die Aktion an einem kalten Wintertag mit einer relativ großen mass erfolgreich zu Ende gebracht zu haben ist groß. Hinter uns liegen etwa 15 Kilometer durch die Stadt, in denen zumindest für eine Weile für Aufsehen gesorgt wurde.

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